Brennnesselsamen an der Pflanze
Kräuterkunde

Brennnesselsamen sammeln: Regionales Kraftpaket für die Küche

Brennnesselsamen werden gern als heimisches „Superfood“ bezeichnet – und das völlig zu Recht: Die kleinen Samen enthalten unter anderem pflanzliches Eiweiß, wertvolle Fettsäuren sowie verschiedene Mineralstoffe und Spurenelemente. Mit ihrem milden, leicht nussigen Geschmack lassen sie sich vielseitig verwenden und bereichern besonders im Herbst und Winter den Speiseplan. Traditionell werden Brennnesselsamen auch als stärkendes Lebensmittel geschätzt. Sie können eine abwechslungsreiche, ausgewogene Ernährung wunderbar ergänzen.

Wann werden Brennnesselsamen gesammelt?

Die beste Sammelzeit liegt – je nach Standort und Witterung – ungefähr zwischen August und Oktober. Sowohl grüne als auch bereits braune Samenstände können geerntet werden:

  • Grüne Samen sind noch nicht vollständig ausgereift und schmecken eher frisch und mild.
  • Braune Samen sind reifer, trockener und besitzen meist ein deutlicheres, leicht nussiges Aroma.

Zum Ernten streift man die Samenstände vorsichtig von der Pflanze ab oder schneidet sie direkt mit einer Schere ab. Brennnesselsamen besitzen zwar selbst kaum Brennhaare, Blätter und Stängel können die Haut jedoch weiterhin reizen. Wer empfindlich ist, sollte deshalb Handschuhe anziehen.

Gesammelt wird am besten an einem trockenen Tag, sobald die Brennnnesseln vom Morgentau getrocknet sind. Wähle unbelastete Standorte, also sammle nicht neben stark befahrener Straßen, gedüngten Feldern und oder direkt an beliebten Hundespazierwegen. Nimm außerdem nur so viel mit, wie du tatsächlich benötigst, damit ausreichend Nahrung und Lebensraum für Tiere erhalten bleiben. Denn für viele heimische Schmetterlingsarten wie das Tagpfauenauge ist die Brennnessel eine wichtige Futterpflanze.

Männliche oder weibliche Brennnessel?

Die Große Brennnessel (Urtica dioica) ist zweihäusig. Das bedeutet, dass es männliche und weibliche Exemplare dieser Pflanze gibt. Sie lassen sich aber kaum von einander unterscheiden, bevor sie ihre Blüten ausbilden.

Die männlichen Blütenstände sind meist heller, weniger üppig und stehen waagerecht oder leicht nach oben von der Pflanze ab. Sie bilden Pollen, aber keine Samen.

Die weiblichen Blütenstände wirken dichter und hängen mit zunehmender Reife deutlich nach unten. An ihnen entwickeln sich die kleinen Früchte, die wir im Alltag als Brennnesselsamen bezeichnen. Diese Pflanzen sind daher die richtige Wahl, wenn du Brennnesselsamen sammeln möchtest.

Brennnesselsamen richtig trocknen

Für einen Wintervorrat breite ich die geernteten Samenstände locker auf einem Tuch, Backpapier oder ein Teller aus. Anschließend lasse ich sie einige Tage an einem warmen, schattigen, trockenen und gut belüfteten Ort trocknen.

Während des Trocknens wende ich die Samenstände regelmäßig. Sobald sie vollständig trocken sind, lassen sich die Samen leicht abstreifen oder über einer Schüssel ausschütteln. Kleine Pflanzenreste können anschließend mit einem groben Sieb entfernt werden.

Wichtig ist, dass die Samen vor dem Abfüllen wirklich durchgetrocknet sind. Andernfalls kann sich Schimmel bilden. In einem sauberen, gut verschlossenen Glas und vor Licht und Feuchtigkeit geschützt bleiben sie lange aromatisch. Kontrolliere den Vorrat in den ersten Tagen sicherheitshalber noch einmal auf Restfeuchtigkeit.

So verwende ich Brennnesselsamen

Brennnesselsamen lassen sich roh verwenden oder kurz und ohne Fett in einer Pfanne anrösten. Durch das Rösten wird ihr nussiges Aroma noch intensiver. Sie eignen sich beispielsweise:

  • als Topping für Salate und Suppen
  • auf Butterbrot, Frischkäse oder Aufstrichen
  • in Müsli, Porridge und Joghurt
  • als Zutat in Smoothies
  • über Ofengemüse oder Kartoffelgerichte gestreut
  • in Kräutersalz, Pesto oder selbst gebackenem Brot

Ich trockne mir jedes Jahr einen kleinen Vorrat für den Winter. Besonders gern streue ich die Samen in Suppen, Joghurt, Porridge oder einfach ein Butterbrot. Probiere einfach aus, welche Kombination dir am besten schmeckt, und entdecke die Brennnessel von einer völlig neuen Seite.

Mehr Wissenswertes rund um die Brennnessel und ihre Verwendung erfährst du auch in meinem Buch „Zaubernuss und Waldmagie – Naturmomenten für deine Seele“. Erhältlich überall wo es Bücher gibt.

Hinweis: Sammle und verwende Wildpflanzen nur, wenn du sie eindeutig bestimmen kannst. Bei bestehenden Erkrankungen, Allergien, Schwangerschaft, Stillzeit oder der Einnahme von Medikamenten empfiehlt es sich, die regelmäßige Verwendung vorsichtshalber fachlich abzuklären.

Sabine Strassmair, diplomierte FNL-Kräuterexpertin, diplomierte Heilpflanzenexpertin nach Hildegard von Bingen, Traditional Herbalist und zertifizierte Naturmentorin.

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